Schatz, wir haben doch einen Keller, oder ?
Bei den Türmen an Schuhen und anderem Gerümpel, das sich im Flur langsam aufhäuft, könnte man ab und an denken, man befindet sich auf einer Müll- Halde. Wenn man jedoch anschließend der Herzens- Dame erklärt, man könne auch mit zwei Paar Schuhen überleben und sie solle doch bitte einmal sorgfältig aussortieren, erleidet die meist einen Tobsuchtsanfall gefolgt von einer Moral- Predigt, dass Schuhe eine Seele besitzen und nicht einfach so weggeworfen werden können.
Nähert sich in Zukunft einmal wieder eine solch gefährliche Diskussion, könnte man nun einmal ganz vorsichtig fragen ” Schatz, wir haben doch einen Keller, oder?”, denn so hat man zumindest ein gutes Argument, wo der ganze Kram verstaut werden kann, auf seiner Seite. Im Keller lässt sich nämlich nicht nur bequem ein Schuhregal platzieren, man kann bei Bedarf sogar zwanzig Schuhregale in die untere Etage befördern. Müllturm-Problem und Schuhproblem mit einem Schlag gelöst.
Da der Keller aber nicht nur Platz für Schuhregale bietet, lassen sich hier auch andere interessante Regale aufstellen, die all den “interessanten” Kram mit Seele schweigend aufnehmen werden. All den anderen Stauraum kann man dann eventuell mit nervenden Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen oder stinkenden Lebensmitteln füllen. Den Schuhen und allen anderen verstauten Gegenständen wird dies herzlich egal sein.
Es kann jedoch durchaus passieren, dass die eigene Frau auch einmal sagen wird “Schatz, wir haben doch einen Keller, oder?” und mit einem Mal findet man sich selbst in dem dunklen Verließ wieder. Man fühlt sich das erste Mal selbst wie die modrigen Schuhe, die gammligen Kartoffeln und die monoton ratternde Waschmaschine, doch man wird bald merken, dass dies halb so wild und durchaus sehr gemütlich ist.
